Nachlese zu Blockupy: Interview mit der GLS Bank

Einer der wichtigen politischen Standpunkte der PIRATEN ist der, dass möglichst alle Beteiligten eines Konfliktes zu Wort kommen sollten. Deswegen hat sich treiPgut dazu entschlossen, Banken zum Thema Blockupy zu befragen. Geplant war ein vergleichendes Interview mit der Deutschen Bank und der GLS-Bank. Leider teilte uns die Deutsche Bank mit, dass sie zum Thema Blockupy keine Stellung beziehen möchte.

Christof Lützel, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit von der GLS-Bank hat sich für uns Zeit genommen. 

treiPgut: Das Camp Occupy gibt es nun schon eine geraume Zeit. Sind Sie von der Hartnäckigkeit der Campbewohner, die auch während des Winters nicht aufgegeben haben, überrascht?

Christof Lützel: Ich habe gehofft, dass sich die Campbewohner hartnäckig erweisen würden. Deswegen haben wir mit der Aktion »Dusche frei für Occupy« dieses Camp aktiv unterstützt. Als Dankeschön bekamen wir einen ganz lieben Weihnachtsgruß – vermutlich wird es nicht so viele Banken geben, die von Bankkritikern derart freundliche Post bekommen. Insgesamt finde ich es wichtig, auf die Aktivitäten von Großbanken aufmerksam zu machen. Aktivisten wie unter anderen Sven Giegold werden derzeit kaum gehört. Die Bürger sind oft noch nicht wachsam genug, aber es gibt auch langsam ein Umdenken.

treiPgut: Das Camp Occupy wurde während der Aktionstage von Blockupy geräumt. Ist diese Räumung in Ihren Augen gerechtfertigt gewesen und wie empfinden Sie die Tatsache, dass die Campbewohner nun wieder zurückkehren?

Christof Lützel: Ich denke, dass die Räumung überzogen war.

treiPgut: Haben Sie schon einmal mit den Campbewohnern geredet und nehmen Sie deren Anliegen ernst?

Christof Lützel: Da die GLS Bank ihren Hauptsitz in Bochum hat, habe ich mit den Campbewohnern in Frankfurt nicht gesprochen, aber die Frankfurter Mitarbeiter bei der Aktion »Dusche frei für Occupy« ausdrücklich unterstützt. Dafür habe ich aber bei einem Besuch in Barcelona das dortige Camp während einer Konferenz kurz besucht.

treiPgut: Die Blockupyproteste verliefen friedlich. Bis auf die Hauptdemonstration am Samstag waren alle anderen Kundgebungen verboten worden. War dieses Verbot in Ihren Augen richtig?

Christof Lützel: Die Reaktion scheint eher überzogen zu sein, zumal ja eher das Polizeiaufgebot für die Blockaden gesorgt hat.

BlockupyFFM | CC BY-NC-SA 2.0 by SterneckBlockupyFFM | CC BY-NC-SA 2.0 by Sterneck

treiPgut: Am Samstag waren nach Angaben der Veranstalters 25.000 Menschen auf der Straße, um gegen die derzeitige Finanzpolitik und das sogenannte »Gebaren der Hochfinanz« zu protestieren. In vielen anderen Städten in Deutschland sowie im Ausland gab es zahlreiche gutbesuchte Solidaritätskundgebunden. Kommt man da – als Banker – nicht ins Grübeln, ob alles, was man derzeit macht, richtig ist?

Christof Lützel: Wir machen uns seit 35 Jahren Gedanken über veranwortungsvolle und transparente Bankpolitik. Ich hoffe, dass Banken ins Grübeln kommen. Insbesondere, wenn immer mehr Menschen ihren Weg zu alternativen Banken finden.

treiPgut: Die Spekulation mit Nahrungsmitteln oder Fonds wie »Kompass Life 3« rufen große Kritik in der Bevölkerung hervor. Gelten moralische Maßstäbe für Banken nicht oder müssten Banken nicht endlich umdenken? Es sind doch unter anderem solche Finanzgeschäfte, die die Menschen auf die Straße bringen.

Christof Lützel: Das Problem derzeit ist, dass mit allem Geld gemacht wird, egal wie und egal womit – dieses Verhalten muss sich ändern, hin zu einer verantwortungsvolleren Bankpolitik.

treiPgut: Wie ernst nehmen Sie Bewegungen wie Blockupy? Setzen Sie sich mit dem Anliegen der Menschen auseinander und inwieweit werden solche Protestkundgebungen ihre Geschäfte in Zukunft beeinflussen?

Christof Lützel: Ich hoffe, die Proteste gehen weiter. Die Bürger können und sollten ihre Verbrauchermacht nutzen. Die GLS Bank hat gezeigt, dass ein alternatives Banksystem funktioniert. Der Bürger muss handeln und Fakten schaffen.

treiPgut dankt Christof Lützel für das Gespräch.

Das Interview führte Martina @Drachenrose Flasch


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